Stadtentwicklung & Verkehr · 28. Oktober 2026

Telgtes Wirtschaftswege: Gutachten beziffert Sanierungs- und Umbaubedarf auf rund 26,4 Millionen Euro

Rund 40 Kilometer zur Sanierung empfohlen, 6,4 Kilometer möglicherweise entbehrlich: Was das neue Gutachten für Telgte, Westbevern und Vadrup bedeutet.

Telgte, 28. Oktober 2026. Wirtschaftswege dienen der Landwirtschaft, erschließen Grundstücke und werden von Radfahrern und Spaziergängern genutzt. Das von der Stadt Telgte veröffentlichte Wirtschaftswegenetzkonzept untersucht den Bestand und empfiehlt, wie die Wege künftig unterhalten und weiterentwickelt werden könnten. Der Abschlussbericht wurde von der Ge-Komm GmbH erarbeitet.

Telgtes Wirtschaftswege in Zahlen

Das Wirtschaftswegenetz im Stadtgebiet umfasst rund 409 Kilometer, davon etwa 230 Kilometer in städtischer Unterhaltung. Für das städtisch unterhaltene Netz nennt der Bericht folgende Empfehlungen:

Ergebnis des KonzeptsUmfang
Wirtschaftswegenetz insgesamtrund 409 km
Davon in städtischer Unterhaltungrund 230 km
Erhaltung im bisherigen Zustand empfohlen170,6 km
Sanierung, Ausbau oder Verstärkung empfohlen40,4 km
Umbau in andere Bauweise empfohlen11,9 km
Rückbau oder Aufhebung als Weg empfohlen6,4 km
Als Neubau kategorisierte Wegeabschnitte191 m

Quelle: Abschlussbericht Wirtschaftswegenetzkonzept Telgte 2026, Ge-Komm GmbH. Angaben gerundet. Die Handlungsempfehlungen beziehen sich auf das städtisch unterhaltene Netz.

Der überwiegende Teil der Wege soll in seiner bisherigen Form erhalten bleiben. Die übrigen Kategorien sind fachliche Empfehlungen und keine bereits beschlossenen Bauvorhaben.

Rund 26,4 Millionen Euro rechnerischer Maßnahmenbedarf

Für die empfohlenen Sanierungen, Ausbauten und Verstärkungen errechnet das Gutachten rund 24,1 Millionen Euro. Für den Umbau in andere Bauweisen kommen rund 2,35 Millionen Euro hinzu. Zusammen sind das etwa 26,4 Millionen Euro.

Die Beträge beruhen auf groben Kostenrichtwerten zum Preisstand 2026. Sie sind keine bewilligten Haushaltsmittel und kein beschlossener Investitionsplan. Die Kosten konkreter Vorhaben können abweichen.

Gutachter sehen einen Unterhaltungsstau

Für die rund 170,6 Kilometer, die in ihrer bisherigen Form erhalten werden sollen, kalkuliert der Bericht einen jährlichen Unterhaltungsbedarf von etwa 1,07 Millionen Euro. Dabei wird eine durchschnittliche Breite von drei Metern und ein Ansatz von 2,10 Euro je Quadratmeter und Jahr zugrunde gelegt.

Nach Einschätzung der Gutachter lagen die bislang verfügbaren Mittel deutlich unter dem rechnerischen Bedarf. Der Bericht spricht daher von einem bereits vorhandenen Unterhaltungsstau.

Sanierungen über mehrere Zeiträume verteilt

Die empfohlenen Sanierungen, Ausbauten und Verstärkungen umfassen insgesamt rund 40,4 Kilometer. Das Konzept teilt sie nach fachlichen Zeithorizonten ein:

ZeitraumWegelänge
Kurzfristig, innerhalb von fünf Jahren10,7 km
Mittelfristig, innerhalb von zehn Jahren22,3 km
Langfristig, innerhalb von zwanzig Jahren7,4 km

Die Einteilung ist keine verbindliche Bau- oder Finanzierungszusage.

Warum Wege künftig unterschiedlich befestigt werden könnten

Das Gutachten unterscheidet die Funktionen der Wege: Manche sind wichtige landwirtschaftliche Verbindungen, andere erschließen einzelne Flächen oder werden auch für den Rad- und Fußverkehr genutzt. Je nach Funktion können unterschiedliche Anforderungen an Tragfähigkeit und Befestigung bestehen.

Für knapp zwölf Kilometer empfehlen die Gutachter den Umbau in eine andere Bauweise. Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Weg aufgegeben wird.

Was bedeutet die mögliche Aufgabe von 6,4 Kilometern?

Das Konzept empfiehlt für rund 6,4 Kilometer die Prüfung eines Rückbaus oder einer Aufhebung als Weg. Damit ist weder eine Sperrung noch eine Beseitigung beschlossen. Der Bericht betont, dass die örtlichen und rechtlichen Verhältnisse für jeden Abschnitt gesondert zu betrachten sind. Besonders für Anlieger und landwirtschaftliche Betriebe ist die Erschließungsfunktion entscheidend.

Begrünter Wirtschaftsweg zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen
Wirtschaftswege können je nach Funktion und Nutzung unterschiedlich befestigt sein. Das Konzept untersucht auch Möglichkeiten einer angepassten Bauweise. Foto: © Ge-Komm GmbH.

Landwirtschaft, Radverkehr und Freizeitnutzung

Viele Wirtschaftswege werden von unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern gemeinsam genutzt. Das gilt auch im Umfeld von Telgte, Westbevern und Vadrup. Die künftige Unterhaltung muss daher landwirtschaftliche Anforderungen ebenso berücksichtigen wie die Bedeutung für Radfahrer, Fußgänger und Anlieger. Welche Auswirkungen einzelne Empfehlungen vor Ort hätten, lässt sich erst anhand konkreter Maßnahmen beurteilen.

IST- und SOLL-Karten zeigen die Empfehlungen

Zum Abschlussbericht gehören fünf Themenkarten zur vorhandenen Wegesituation (IST) und fünf zur empfohlenen künftigen Wegesituation (SOLL). Sie unterscheiden Wegekategorien und kennzeichnen mögliche Maßnahmen. Die SOLL-Karten sind keine Darstellung bereits politisch beschlossener Bauarbeiten.

Die Originalkarten und der Abschlussbericht sind auf der Website der Stadt Telgte abrufbar. Redaktionell aufbereitete Kartenausschnitte können nach Klärung der Nutzungsrechte ergänzt werden.

Kartenblatt 2: IST und SOLL im Vergleich

Ausschnitt Kartenblatt 2, vorhandene Wegesituation IST
IST – vorhandene Wegesituation
Gleicher Ausschnitt Kartenblatt 2, empfohlene Wegesituation SOLL
SOLL – empfohlene Wegesituation

Kartenblatt 3: IST und SOLL im Vergleich

Ausschnitt Kartenblatt 3, vorhandene Wegesituation IST
IST – vorhandene Wegesituation
Gleicher Ausschnitt Kartenblatt 3, empfohlene Wegesituation SOLL
SOLL – empfohlene Wegesituation

Kartenblatt 4: IST und SOLL im Vergleich

Ausschnitt Kartenblatt 4, vorhandene Wegesituation IST
IST – vorhandene Wegesituation
Gleicher Ausschnitt Kartenblatt 4, empfohlene Wegesituation SOLL
SOLL – empfohlene Wegesituation

Kartenausschnitte: © Ge-Komm GmbH · Quelle: Stadt Telgte, Wirtschaftswegenetzkonzept 2026. Die SOLL-Darstellung zeigt fachliche Empfehlungen, keine beschlossenen Baumaßnahmen. Zum Vergrößern auf eine Karte klicken.

Wie geht es weiter?

Das Konzept ist eine Grundlage für die weitere Planung. Nach Angaben der Stadt sollen konkrete Maßnahmen, Prioritäten, Zeitpläne und Kosten noch ausgearbeitet werden. Über tatsächliche Projekte und ihre Finanzierung wird gesondert zu entscheiden sein.

Für Telgte, Westbevern und Vadrup ist damit eine wichtige fachliche Bestandsaufnahme veröffentlicht – die Umsetzung steht aber erst am Anfang.

Quellen und weitere Informationen

Stadt Telgte: Wirtschaftswegenetzkonzept 2026; Ge-Komm GmbH: Abschlussbericht und Themenkarten zur IST- und SOLL-Wegesituation. Originalunterlagen bei der Stadt Telgte ansehen.

Redaktioneller Hinweis: Die dargestellten Maßnahmen sind Empfehlungen des Gutachtens, keine bereits beschlossenen Bauvorhaben.